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CRIPPLE” CLARENCE LOFTON

Am 28. März 1887 wurde Albert Clemens - so hieß "Cripple" Clarence Lofton mit bürgerlichem Namen - in Kingsport, Tennessee geboren. Seine Mutter hieß Anna, sein Vater Walter Lofton. Obwohl er von Geburt an humpelte (wovon sich sein Künstlername ableitet), hielt ihn das nicht davon ab, eine Karriere als Stepptänzer zu beginnen - seine Eintrittskarte ins Showgeschäft. Das sind die wenigen Fakten, die von Lofton bekannt sind, bevor er um 1917 nach Chicago kam.

Er war bereits ein ausgereifter Künstler und so spielte er in Nachtclubs und auf "rent parties" – eine Tätigkeit, die den größeren Rest seines Lebens ausfüllen sollte. "House rent party" war eine soziale Veranstaltungsform um die überteuerten Mieten der Wohnungen bezahlen zu können. Es wurden ein Pianist oder eine Band eingestellt und Freunde, Bekannte und Nachbarn eingeladen. Wer zu diesen Partys kam, musste Eintritt zahlen, mit dem die Mieten finanziert wurden. Das Markenzeichen von Loftons Vorführungen war seine Energie auf der Bühne, wo er mit ausdrucksstarker Mimik sang, mit den Fingern schnippte wie eine spanische Tänzerin, dabei Klavier spielte, mit den Füßen stampfte, pfiff, plötzlich aufsprang und sich im Eiltempo vom Klavier zu den Drums bewegte, und dazwischen noch eine Einlage als Stepptänzer gab - trotz der Tatsache, dass er mit einem Bein humpelte. Oft begann er einen neuen Chorus bevor er den letzten beendet hatte. Manchmal reduzierte er die Anzahl der Takte innerhalb eines Chorus von standardmäßig 12 auf 9, 10 oder 11,5 wie in I Don’t Know. Sein Name steht als Synonym für ein sehr energiegeladenes Boogiepiano ebenso wie für ein tiefes Bluesempfinden. Sein Publikum liebte diese undisziplinierte Art des Spiels und seine intensive Bühnenpräsenz. Seine wilde und energiereiche Art seines Vortrags wurde rasch bekannt und schon in den frühen 1930er-Jahren war er ein Fixpunkt im Chicagoer Nachtleben.

Erst 1935 nahm er seine ersten Schallplatten auf. Es waren zwei seiner bekanntesten Titel (Strut That Thing, Monkey Man Blues), die er gemeinsam mit dem Gitarristen “Big” Bill Broonzy für Vocalion aufnahm. Er spielte auch gemeinsam mit “Red” Nelson und Al Miller. Bereits in den 1930er-Jahren führte er seinen eigenen Nachtclub – das “Big Apple” in der South State Street in Chicago. Dieser Club war bei vielen Bluespianisten wie auch bei seinen Freunden Jimmy Yancey und Meade “Lux” Lewis sehr beliebt.

 

Er setzte seine Plattenaufnahmen bei verschiedenen Firmen wie Solo Art, Gennett, Pax, Riverside und Session fort, bis das Interesse am Boogie Woogie Ende der 1940er-Jahre nachließ.

“Cripple” Clarence Lofton war ein integraler Bestandteil des Boogie Woogie Genres in Chicago und ein Phänomen in der Geschichte des Boogie Woogie- und Bluespianos. Sein Talent wird gerne mit jenem von Clarence “Pinetop” Smith und anderen verglichen. Er beeinflusste schon Pianisten wie Meade “Lux” Lewis, Charles “Cow Cow” Davenport und Jimmy Yancey.

Lofton und Jimmy Yancey

Als Ende der 1940er-Jahre der Boogie Woogie aus der Mode kam, setzte er sich relativ früh zur Ruhe. Er blieb bis zu seinem Tod am 9. Januar 1957 in Chicago. Er starb beinahe 70-jährig an einem Blutgerinnsel im Gehirn.

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