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RUFUS PERRYMAN - "SPECKLED RED"

Rufus Perryman wurde am 23. Oktober 1892 als zweites von acht oder neun Kindern des Ehepaars Ada und Henry Perryman in Monroe, Louisiana geboren. Sein Vater war Naturalpächter. Noch während seiner Kindheit zog die Familie nach Hampton, Georgia.
Die Familie der Perrymans hatte kaum Bezug zur Musik. William Lee "Willie" Perryman - besser bekannt als "Piano Red" - war Rufus' um 19 Jahre jüngerer Bruder. Ihre Spitznamen "Speckled Red" (Rufus) und "Piano Red" (William Lee) erhielten sie, weil beide Albinos waren. Aus diesem Grund waren die beruflichen Aussichten für die beiden Brüder schlecht. Sie konnten nie Musikunterricht nehmen, da beide schielten und sehr kurzsichtig waren. So erlernte jeder für sich das Klavierspiel autodidaktisch und entwickelte seinen eigenen Barrellhousestil durch Zuhören. Rufus wurde besonders von seinen Idolen Charlie Spand, James Hemingway und Will Ezell beeinflusst. Neben dem Klavier hatte er in der Kirche in Hampton Orgel spielen gelernt. Schon als Jugendlicher spielte Rufus auf house rent parties und in Juke Joints (einfache Kneipen für Afro-Amerikaner, in denen neben Tanzmusik Alkohol und Speisen, zum Teil auch Glücksspiel und Prostitution angeboten wurden).

1925 verließ Speckled Red seine Heimat Hampton. Es sollten 35 Jahre vergehen, ehe er seinen Bruder William wieder sah. Er zog nach Detroit, wo er oft auftrat, auch in Nachtclubs und selbst in Bordellen. 1929 verließ er die Stadt und zog nach Memphis, Tennessee, wo er für Brunswick Records seine ersten Plattenaufnahmen machte - u.a. mit den Titeln Wilkins Street Stomp und The Dirty Dozens, welcher Ende 1929 ein Hit wurde. Im darauffolgenden Jahr versuchte er mit der Aufnahme von The Dirty Dozens, No. 2 in Chicago, Illinois, eine Fortsetzung des Erfolgs, doch dieser Nummer war kein Erfolg beschieden. Danach war Speckled Red während der nächsten Jahre ohne Plattenvertrag und trat vor allem in Bars rund um Memphis und St. Louis, Missouri auf.
1938 nahm er einige Stücke (u.a. St. Louis Stomp und Welfare Blues) mit dem Slide-Gitarristen Robert Nighthawk und dem Mandolinenspieler Willie Hatcher als "Speckled Red Trio" für Bluebird Records auf, aber auch diesen Aufnahmen blieb der Erfolg versagt. In den frühen 1940er-Jahren ließ sich Speckled Red in St. Louis nieder, wo er seine Laufbahn in Gaststätten, lokalen Clubs und Bars in den nächsten 1 1/2 Jahrzehnten fortsetzte.

Speckled Reds Blues- und Boogiestücke waren von jener Robustheit, die einen guten Blues ausmachen. Bekannt war er aber vor allem für die vulgären Bemerkungen und Beleidigungen im Liedtext seiner Aufnahme The Dirty Dozens, wie sie lange Zeit recht typisch für die African-American Folklore waren. Obwohl Speckled Red und Piano Red Brüder waren, existieren keine gemeinsamen Plattenaufnahmen - vielleicht auch deshalb, weil sie in ihren sehr unterschiedlichen Altersstufen durch fast eine ganze Generation getrennt waren.

Speckled Reds Wiederentdeckung für eine breitere Musiköffentlichkeit wurde erst 1954 durch den Polizeiangehörigen Charlie O'Brien aus St. Louis möglich, der während der 1950er-Jahre seine beruflichen Möglichkeiten der Personensuche u.a. dafür nutzte um längst vergessene Bluesmusiker wie Speckled Red zu finden. Noch im Dezember 1954 konnte Speckled Red einen Plattenvertrag mit dem jungen Chicagoer Label Delmark Records als deren erster Bluespianist abschließen. Während der späten 1950er- und 1960er-Jahre gelang es ihm in der Öffentlichkeit ein gewisses Interesse für seine Musik zu wecken. 1956 und 1957 machte er verschiedene Aufnahmen für Tone, Delmark, Folkways und Storyville Record. Er spielte in der Jazzscene von St. Louis, oft als Aushilfspianist bei den "Dixie Stompers" und hatte Auftritte mit der "Dixie Matinee" und im "St. Louis Jazz Club"; 1961 spielte er auch auf dem University of Chicago Folk Festival und in Dayton, Ohio, mit Gene Mayl's "Dixieland Rhythm Kings". 1959 war er mit Chris Barber in Europa auf Tournee. Ende der 1960er-Jahre reduzierte er aufgrund seines Alters die Zahl seiner Auftritte. Speckled Red starb am 2. Januar 1973 in St. Louis im Alter von 80 Jahren an Krebs.

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