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"HONEYDRIPPER" ROOSEVELT SYKES

Roosevelt Sykes wurde am 31. Januar 1906 in Elmar, Arkansas geboren, wo sein Vater als Musiker arbeitete. 3 Jahre später zog der Vater mit seiner Familie nach St. Louis, Missouri. Ungefähr im Alter von 10 Jahren spielte der Junge bereits Orgel. Oft besuchte er den Großvater auf seiner Farm in der Nähe von West Helena und spielte dort Orgel in der lokalen Kirche. Um 1918 erlernte er den Blues am Klavier. Bereits 3 Jahre später war er wie viele Bluesmusiker seiner Zeit als Wandermusiker in den Barrelhouses und Bordellen von Louisiana und Terpentinöl- und Deichbau-Lagern entlang des Mississippi unterwegs. In St. Louis trat er meist solo auf, doch gelegentlich schloss er sich anderen Musikern wie dem Gitarristen Big Joe Williams an. Großen Einfluss auf seinen frühen Bluespiano-Stil schrieb er später den damaligen lokalen Musikern von St. Louis wie "Red Eye" Jesse Bell, Joe Crump, Baby Sneed, und seinem wichtigsten Mentor "Pork Chop" Lee Green zu, der Sykes den "Forty-Four Blues"-Stil am Klavier lehrte - Musiker, die nie eine Schallplatte aufnahmen und heute vergessen sind. Sykes blieb in St. Louis obwohl er in den späten 1920er-Jahren häufig nach Memphis und Chicago reiste.

 

1929 wurde Sykes von Jesse Johnson, einem Talentsucher von Okeh Records entdeckt, der ihn zu Plattenaufnahmen nach New York einlud. Sykes' erste Platte war seine Version des 44 Blues mit Texten zum Thema ".44 Handfeuerwaffe". Dieses Stück wurde zu einem Blues-Standard und zu einem seiner Markenzeichen.

         

Im gleichen Jahr während einer Aufnahme-Session für Paramount erhielt Sykes den Spitznamen "Honey Dripper" durch das gleichnamige Lied der Sängerin Edith Johnson, die ihm mit diesem Titel ein "Denkmal" gesetzt hatte. Sykes begleitete die Sängerin bei der Aufnahme des Honey Dripper Blues am Klavier:

 
He treats me so mean Er ist so gemein zu mir,
Just comes to me sometimes Das fällt mir immer wieder auf.
But the way he spreads his honey Aber die Art, wie er seinen Honig versprüht,
He will make me lose my mind. Raubt mir den Verstand.
   
Just because I'm down Gerade wenn es mir schlecht geht,
He wants to drive me away Will er mich loswerden.
‘Cause he knows he's a good honey dripper Aber weil er weiß, er ist ein guter Honey Dripper,
And I need him every day. Brauche ich ihn jeden Tag.

 Ob Sykes' sexuelle Leistungsfähigkeit oder seine nette Art und offene Persönlichkeit gemeint waren ? Es scheint, er war ein Frauenheld.

 

In den frühen 1930er Jahren zog Sykes nach Chicago. Während der Weltwirtschaftskrise machte er unter verschiedenen Pseudonymen wie Dobby Bragg, Willie Kelly, und Easy Papa Johnson Plattenaufnahmen für verschiedene Labels wie Victor und Champion. Mit den Aufnahmen bei Decca Records 1935 begann seine Popularität zu steigen. Seine Platte von 1936 "Driving Rad Blues" (Decca) entpuppte sich als Blues-Klassiker. 1941 ließ sich Sykes in Chicago nieder und wurde innerhalb kurzer Zeit „Hausmusiker" bei Victor/Bluebird.

Im Jahr 1943 stellte Sykes seine erste eigene Band, "The Honeydrippers" zusammen. Diese bestand aus zwölf Musikern, darunter einige der besten Hornisten Chicago‘s. Die Band kam viel herum und spielte auch u.a. im berühmten Palace Theatre in Memphis.
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs setzte er seine Platten aufnahmen fort: 1945 - 1949 für Victor/Bluebird, zwischen 1946 und 1947 für Specialty und 1949 für Regal.
Als die elektrische Bluesgitarre begann, die Bluesszene in Chicago zu dominieren, zog Sykes 1954 nach New Orleans. Die Popularität des Blues schawand Mitte der 1950er-Jahre und so spielte Sykes in kleinen Clubs in der ganzen Stadt. Erst als er 1960 nach Chicago zurückkehrte, wurde er von Liebhabern des Folk und Blues wieder "entdeckt". Die Folk- und Blues Revivals der 1960er-Jahre ließen Sykes' Karriere wiederaufleben. In den frühen 1960er-Jahren nahm er für Bob Koester's Delmark das Album "Mistake in Life" auf. 1961 ging er zum ersten mal auf Europa-Tournee und
trat in dem belgischen Film "Roosevelt Sykes The Honeydripper" auf.

1965 und 1966 spielte er beim "American Folk Blues Festival", welches ausschließlich in Europa stattfand. Während dieser Europa-Tournee nahm er 1966 für Delmark das Album "Roosevelt Sykes, Gold Mine"auf. In diesem Jahrzehnt nahm er auch für andere Labels wie Bluesville, Storyville und Folkways auf.

      

1972 hatte er wieder einen Auftritt in einem Film - dieses mal in "Blues Under The Skin". Im September 1973 hatte Sykes einen triumphalen Auftritt beim Ann Arbor Blues & Jazz Festival. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte Delmark sein Album "Feel Like Blowing My Horn", welches er gemeinsam mit dem Chicagoer Bluesgitarristen Robert Lockwood, Jr. und dem Schlagzeuger Fred Below aufnahm.
1976 war er Stargast in der BBC television Serie "The Devil's Music: A History of the Blues". Zwei Jahre spatter erschien er auf John Hammond Jr.s Vanguard-LP "Footwork" in einem Gastspiel der "Forty-Four Blues".

   

In späteren Jahren trug er auf der Bühne oft einen Hut mit breiter Krempe, dazu einen dreiteiligen Anzug, und er rauchte Zigarre, die typischerweise in seinem Mundwinkel steckte. Roosevelt Sykes war ein Mann, der unglaubliches musikalisches Talent besaß. "Blues ist ein Talent, mit dem man von Gott geboren wird. Er gab mir das Geschenk", erklärte Sykes. "Ich habe nicht eine einzige Musikstunde in meinem Leben." Seine stampfenden Klavier-Boogies und seine teilweise vulgären Songtexte charakterisierten seinen Blues. Er war ein genialer Mann mit einer sehr lebendigen Persönlichkeit und ein vollendeter Entertainer. Für Musiker und Musik-Historiker gilt er als Vater des modernen Blues Piano Stils.
Sykes lebte während seiner letzten Jahre in New Orleans. Er spielte weiterhin auf Festivals und auf Konzerten, bis er am 17. Juli 1983, in New Orleans an einem Herzinfarkt starb.
Er wurde 1999 in die Blues Hall Of Fame und 2011 in den Gennett Records Walk of Fame aufgenommen.

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